Frohe Weihnachten

Frohe Weihnachten

Und jetzt unten auf den PLAY-BUTTON drücken

Wir lesen für Euch eine Weihnachtsgeschichte:

Als Jesus zur Welt gekommen ist - da hören auch die neun großen Sünden der Menschheit von der Geburt des Erlösers.

Das Gerücht fährt ihnen unter die Haut. Es weckt Sehnsucht in ihnen. Aber gleichzeitig Angst. Ein Erlöser! Der würde sie womöglich ausmerzen, ihnen die Lebensgrundlage entziehen. Sollten sie fliehen? Aber wohin? Oder sollten auch sie sich aufmachen zum Kind?


Der Zorn tritt vor und sagt:

«Na, immerhin fällt es dem lieben Gott endlich mal ein, was zu unternehmen! Seht euch diese schlechteste aller denkbaren Welten an! Warum hat er sie und vor allem die Menschen nicht gleich besser gemacht? Aber ich wette: Dieser Jesus wird auch nichts ändern


Und der Hochmut sagt:

«Ich brauche keinen Erlöser. Ich hab mir noch immer selbst zu helfen gewusst. Außerdem hätte man mir eine persönliche Einladung schicken können. Einige gute Ratschläge für ihn hätte ich schon. Die wird er brauchen!»


Da tritt die Lüge vor, die sich selbst gern «die Erfolgreiche» nennt:

«Ein Erlöser im primitiven Stall!», ereifert sie sich. «Das ist doch von vornherein zum Scheitern verurteilt. Und wie die das aufziehen! Nicht mal ´ne Pressemeldung! Das müsste man ganz anders vermarkten!» 


Der Neid erblasst, als er das Gerücht gehört hat.

«Ein Erlöser für alle Welt!», rümpft er die Nase: «Wenn ich da hinginge, wäre ich ja nur einer von vielen. Aber vielleicht sollte ich ihm ein außergewöhnliches Geschenk mitnehmen ... Dann würden die anderen erblassen


Da lässt sich der Geiz aus dem Hintergrund vernehmen.

«Geschenk!», murmelt er. «Man wird ein Geschenk von mir erwarten. Mir schenkt auch keiner was!» Dann hüllt er sich wieder in Schweigen.


Da hebt die Furcht bebend zu reden an.

«Wenn der Herr des Himmels kommt», sagt sie, «wird das den Herren der Welt nicht passen. Denn man sagt, der Messias wird Recht schaffen. Wenn wir da hingehen, machen wir uns verdächtig und werden in die Sache reingezogen. Ich halte mich da raus!»


Und nun mischt sich die wohlgenährte Verschwendung ein:

«Ein Stall!», sagt sie, «das klingt muffig und düster und depressiv. Ich will leben! Feiern! Man gönnt sich ja sonst nichts.» 


Da poltert die Gewalttätigkeit los:

«Wie soll denn ein hilfloses Kind die Welt verändern? Macht braucht man. Geld. Panzer. Das Kind braucht ja selber Schutz. Ich geh hin und nehme die Sache in die Hand! Und ich poliere jedem die Fresse, der dem Kind was antun will!»


Als letzte meldet sich die Trägheit:

«Der Weg ist anstrengend», sagt sie. «Ich bezweifle, dass sich die Mühe lohnt. Außerdem: Für mich wird sich der Erlöser bestimmt nicht interessieren. Machen wir´s uns gemütlich und lassen alles, wie wir´s gewohnt sind!» 


Von Aufbruchstimmung kann also nicht die Rede sein. Aber seltsamerweise sind die neun Sünden ihren eigenen Widerständen zum Trotz plötzlich doch auf den Beinen und ziehen los.

Oder besser gesagt: Irgendetwas zieht sie magnetisch zum Kind. Als sie zum Stall kommen, steht die Tür einen Spalt weit offen. Von innen dringt warmes Licht ins Freie. Sachte treten sie nacheinander ein. Nur der Geiz bleibt draußen und beobachtet alles durchs Fenster.

Im Stall ist es sehr still. Josef steht im Halbschatten. Maria scheint von den Gästen kaum Notiz zu nehmen. Das Kind aber liegt da und lächelt und breitet die Arme aus, als wollte es die Ankommenden begrüßen. Und dann sieht es sie an. Sie alle - aber so, dass jeder meint, der Blick gilt nur ihm. Und sie erwidern ihn. Es geht gar nicht anders. Und da ist ihnen plötzlich, als ob das Kind zu jedem von ihnen spräche. Ohne den Mund zu öffnen und doch klarer als Worte es könnten.


Das Kind sieht zuerst den Zorn an, und dem ist, als sage das Kind:

«Du bist wütend über Gott und die Welt, über die Schlamperei der Menschen, über die Arroganz der Regierenden und die Dummheit der Regierten. Und vor allem über deine eigenen Mängel. Gib mir deinen Groll. Brich deine Wut in Stücke und leg sie ins Kohlenbecken, damit ihre Glut den Stall erwärmt. Ich schenke dir meine Geduld. Sie rettet die Welt, langsam - aber sicher. Hab Geduld mit dir selbst. Und verzeih deinen Mitmenschen ihre Unvollkommenheit! Verzeihung ist das Einzige, was verändert! Hab Vertrauen! Das Gute wächst längst, wenn auch langsam!» Da sinkt der Zorn auf die Knie und spürt eine unendliche Gelassenheit - wie nie zuvor.


Dann sieht das Kind den Stolz an. Und dem ist, als sage das Kind:

«Du hast dich unersetzlich gemacht, bist ständig zur Hilfe geeilt, auch wo du gar nicht gerufen warst, hast andere an dich gekettet. Und du bist gekränkt, wenn man dir nicht dankt. Gib mir deine Krone! Schau: Ich bin einfach da. Für dich. Lass dir das schenken! Das ist echte Demut!» Da beugt auch der Stolz die Knie. Und sein Herz ist plötzlich unendlich weit und er fühlt sich frei, wirklich frei. 


Dann trifft der Blick des Kindes die Lüge. Und der ist, als höre sie:

«Du hast Angst, dein Ziel zu verfehlen, zu scheitern. Mit deinen kleinen Tricks willst du verhindern, als Versager dazustehen. Für mich aber bist du ganz durchsichtig. Ich sehe auch das in dir, was nicht strahlt. Gib mir deine Angst, zu versagen!» Da beugt sich auch die Lüge vor dem Kind. Und es wird plötzlich ganz hell und hoffnungsfroh in ihr und sie weiß: Alles wird gut.


Als Nächstes sieht das Kind dem Neid in die Augen. Und dem ist, als sage das Kind:

«Du musst dich ständig vergleichen, weil du an dir selber zweifelst. Du bemitleidest dich selbst, weil es sonst keiner zu tun scheint. Du bist ein Spielball deiner Gefühle. Gib sie mir! Deine emotionalen Höhenflüge und Tiefschläge. Dein Fernweh und dein Heimweh. Und nimm meine unkomplizierte Schönheit an! Sei einfach da!» Da wird es ganz still im Herzen des Neides. Alle Stürme sind verstummt. Und ganz schlicht und ungekünstelt kniet auch er vor dem Kind.


In diesem Augenblick ist dem Geiz draußen vor der Tür, als riefe das Kind auch ihn. Scheu tritt er in den Stall. Und als das Kind ihn ansieht, ist ihm, als sage es:

«Dein Herz wurde nie wirklich gewärmt. Du musstest immer für dich selber sorgen. Du hast Besitz und Wissen gehortet, um zu überleben. Lass dich wärmen. Lass dich berühren!» Und das Kind streckt dem Geiz die Händchen entgegen, und der Geiz - küsst sie. Und dann zieht er seinen kostbarsten Ring vom Finger und legt ihn Maria zu Füssen. Da wird ihm ganz warm ums Herz - und er fühlt sich zum ersten Mal wirklich zu Hause.


Zögernd tritt nun auch die Furcht vor. Das Kind sieht auch sie an, aber sie wagt den Blick nicht zu heben. Und doch ist ihr, als sage das Kind:

«Du misstraust Gott und der Welt und dir selber. Du fürchtest die Autoritäten. Du passt dich an, um nicht aufzufallen. Du sehnst dich nach Sicherheit. Sieh mich an! Mir kannst du vertrauen. Und auch dir selbst! Hab keine Angst vor dem Risiko. Ich bin bei dir!» Da spürt die Furcht eine starke, gute Kraft in der Brust, wie nie zuvor. Aber sie kniet nicht nieder, sondern steht plötzlich aufrecht da und sieht dem Kind fest in die Augen - und schwört im Stillen ewige Treue.


Und auch die Verschwendung merkt nun den Blick des Kindes und hört die Stimme:

«Siehst du, mit wie wenig ich auskomme? Spürst du den heiligen Ernst dieses Ortes? Gib mir deine Angst vor dem Dunkel, vor Leiden und Tod! Gib mir den Zwang, dich mit Konsum zu betäuben! Wage, deine verborgenen Kindheitsschmerzen zu betrauern. Und ich schenke dir echte Freude, die das Dunkle nicht scheuen muss.» Da bricht ein Strahlen aus der Tiefe der Verschwendung hervor und erleuchtet ihr Gesicht. Und gleichzeitig fließen Tränen der Trauer über ihre Wangen. Und beides ist gut.


Die Gewalttätigkeit ist bisher erstaunlich ruhig geblieben. Aber jetzt schiebt sie sich nach vorn:

«Ich kann nicht länger warten! Ich sehe deine mir völlig unbegreifliche Machtlosigkeit. Und doch scheinst du mehr Macht zu haben als ich. Ich kapituliere. Ich bringe dir meine Übergriffe, meine Selbstherrlichkeit. Wie viele Menschen habe ich überfahren und niedergebügelt und missbraucht! Ich staune über deine Reinheit. Und ich will dich um etwas bitten, was ich noch zu keinem gesagt habe: Vergib mir meine Schuld! Mach mich rein! Ich will dir dienen!» Die Gewalt kniet sich vor das Kind. Da ist ihr, als würde sie von der Unschuld des Kindes ganz und gar durchdrungen. Und das Kind muss nichts mehr sagen.


Und schließlich trifft der Blick des Kindes die letzte aller Sünden, die Trägheit. Und es ist ihr, als sage das Kind:

«Sieh her, wie unbequem ich es habe. Und trotzdem bin ich voller Energie. Ich habe mich entschieden zu lieben, mich hinzugeben. Und ich brauche dich. Du sollst den Menschen meinen Frieden bringen, auch wenn du dabei ein paar Schrammen abkriegst. Du zählst. Und ich zähle auf dich. Gib mir deine Resignation und Gleichgültigkeit. Du meinst, du bist die Letzte. Du sollst eine Erste werden!» 


Da gibt die Trägheit den anderen ein Zeichen, und gemeinsam erheben sie sich und nehmen einander bei der Hand.

Sie stehen um das Kind herum und sehen es voll Freude an und können sich nicht satt sehen.

Und dann sehen sie einander an und umarmen sich und wünschen einander den Frieden.

Und alle neun Sünden sind erlöst durch den Anblick und die Anbetung des menschgewordenen Gottes. 

Text:
Andreas Ebert

Musik:
Canon and Variation von Twin Musicom unterliegt der Lizenz Creative-Commons-Lizenz "Namensnennung 4.0". https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/

Künstler: http://www.twinmusicom.org/

Carol Of The Bells von Audionautix unterliegt der Lizenz Creative-Commons-Lizenz "Namensnennung 4.0".
Künstler: [http://audionautix.com/](http://audionautix.com/)

Angels We Have Heard von Kevin MacLeod unterliegt der Lizenz Creative-Commons-Lizenz "Namensnennung 4.0".
Quelle: [http://incompetech.com/music/royalty-free/index.html?collection=004&page=1](http://incompetech.com/music/royalty-free/index.html?collection=004&page=1

Künstler: [http://incompetech.com/](http://incompetech.com/)

>